Apulien: Roadtrip – Süditalien

Apulien: Roadtrip – Süditalien

Roadtrip Apulien

Unser Roadtrip durch Apulien

Unser Traum: Ein Roadtrip. Ein Roadtrip durch Italien.

Eine ganze Weile schon stellten wir uns vor, mit dem Auto Italien zu erkunden. Rauf und runter, alle Regionen vom Norden bis in den Süden und zurück. 2021 sollte es endlich soweit sein.

Leider: Wir hatten nur zwei Wochen Zeit für diese Reise. Zwei Wochen sind tatsächlich viel, viel zu wenig, Italien rauf und runter zu fahren, Landschaften zu erkunden, Orte zu besichtigen und schwimmen zu gehen.
Eine Entscheidung musste her: „Lass uns nur eine Region bereisen. Eine, die typisch italienisch ist, urtümlich und sehenswert.“

Wir durchforsteten das Internet nach den verschiedenen Regionen, nach Sehenswürdigkeiten, nach Landschaften, die atemberaubend sind. Und by the way das ist jede Region in Italien. Jede hat etwas Besonderes an sich, jede ist es wert bereist zu werden.

Letztendlich entschieden wir uns für: Apulien.

Für einen Roadtrip durch Apulien.

Wir wollten sie sehen, die Weite des Südens, die Straßen, die in der Hitze flirrten, die endlosen Reihen Olivenbäume, die weißen Städte und das himmelblaue Meer.

Santa Maria de Leuca Haustür

Apulien – der Absatz des Stiefels

Apulien – in Kurzform Puglia ist der Absatz des italienischen Stiefels. Die Halbinsel Salento mit der Hauptstadt Bari ist die flachste Region Italiens, – und ja, bis auf wenige Erhebungen ist das tatsächlich so.

Apulien hat sage und schreibe 865 km lange Sandstrände mit herrlichstem azurblauen Meer. Dazu kommen mittelalterliche Städte mit verwinkelten Gassen und beeindruckenden Sehenswürdigkeiten. Manche davon sind als UNESCO-Erbe ausgezeichnet.

Es gibt kleine Dörfer mit weiß gekalkten Häusern, Jahrhunderte altes Ackerland mit rotbrauner Erde, Felder voll mit knorrigen, alten Olivenbäumen, daneben Weingärten behangen voller tiefblauer, reifer Trauben. Und am Straßenrand stehen unzählige Kakteenfeigen voller reifer, roter Früchte – die wir natürlich fleißig ernteten.

Apulien ist Italien in seiner ursprünglichsten Form.

Alaa in Gallipolli

Beste Reisezeit für Apulien

Die beste Reisezeit für Apulien ist beinahe das ganze Jahr über. Es herrscht Mittelmeerklima. Das heißt, die Sommer sind sehr heiß und dauern relativ lange, dafür sind die Winter eher mild und feucht mit 12 – 15 Grad.

– Badeurlaub: Mitte Mai bis Oktober

– Radfahren/Wandern/Sightseeing: März bis November

Wir wollten im Meer baden – das stand an erster Stelle – und uns Sehenswürdigkeiten anschauen, die Landschaft entdecken und leckeres Essen genießen. Somit entschieden wir uns für Mitte September. Es war warm, aber nicht zu heiß, um Besichtigungen zu machen. Das Meer war angenehm von der Sonne aufgeheizt, der Strand hingegen schon nicht mehr so voll. In den Städten war es – abgesehen von der Mittagszeit – zwar warm, aber gut zum Aushalten und Spazieren.
September war für uns der perfekte Zeitpunkt.

Unterkünfte

Hier findest du Hotels, B&Bs und Ferienwohnungen für eine Reise nach Apulien*.

Kakteenfeigen reif

Autofahren in Apulien

Wir haben in den zwei Wochen sehr viel gesehen und erlebt, und sind viele, viele Kilometer gefahren. Wer das nicht mag, wird wahrscheinlich keinen Roadtrip unternehmen.

Wir buchten unserer Ferienwohnung in Lido Marini. Das ist nicht unbedingt der strategisch günstigste Ort, um alle Ecken in Apulien zu erreichen. Aber wir wählten ihn, weil er uns einen herrlichen Sandstrand versprach – und sein Versprechen auch hielt. Wir kehrten jeden Abend zurück, um an diversen Tagen erneut aufzubrechen und uns etwas anzusehen.

In Apulien gibt es keine Autobahn, außer die A14, die von Bologna kommend Bari streift und in Tarent endet. Der Absatz des Stiefels allerdings ist ohne Autobahn, aber man fährt auf gut ausgebauten Schnellstraßen und kleineren Landstraßen. Auf den Schnellstraßen kommst du rasch voran (100km/h), auf den kleineren Landstraßen tuckerst du bisweilen mit 80 km/h dahin.

Aber was soll’s? Wer hat es schon eilig im Urlaub?

Insgesamt sind die Wege länger als man denkt und du solltest auf jeden Fall gut Zeit einplanen. Nicht jede Straße verläuft gerade und manche dauert dann doch länger.

– Einbahnstraßen: In den Orten herrscht oft Einbahnstraßensystem, an das man sich auch tunlichst halten sollte. Die Straßen sind bisweilen so eng, dass es kein Ausweichen, nur noch ein Rückwärtsfahren gibt.

Überhaupt – haltet nach Straßenschildern Ausschau, die auch weiter oben angebracht sind. Die zählen genau so und missachtet man sie, weil man nicht noch oben schaut, gibt es bisweilen Monate später einen bitteren Strafzettel – an dessen Grund man sich nur noch dunkel erinnern kann.

– Parken: Wir haben in jedem Ort gut ausgeschildert Parkplätze gefunden, die zwischen 1.50 – 2.00 die Stunde gekostet haben.

 

Alberobello

Alberobello war unser erstes Ziel. Die Stadt liegt im Zentrum des Valle d’Itra, dem Gebiet zwischen dem Ionischen Meer und der Adria und ist die Stadt der Trulli = der Kegelhäuser.

Trulli sind weiß gekalkt Häuser mit grauen Dächern aus schräg aufeinander geschichteten Kalksteinplatten in der Form eines Kegels. Genau diese Form der Häuser ist das Besondere an Alberobello und dem Umland.

Bereits in den Dörfern und Orten rund um Alberobello wirst du auf der Anfahrt ein paar dieser Trulli entdecken. In Alberobello jedoch findest du ungefähr 2000 solcher Trulli.

Bereits seit 1996 gehört Alberobello zum Weltkulturerbe der UNESCO. Alberobello hat ungefähr 12.000 Einwohner und liegt ca. 50 km südwestlich von Bari.

Trulli Straße in Alberobello

Spaziergang durch Alberobello

Von Lido Marini aus fuhren wir über Gallipolli und Francavilla bis Alberobello – das sind ungefähr 152 km vorbei an unendlichen Olivenbaumfeldern, kleinen Dörfern und bisweilen mit Blick auf das Meer. Für die 152 km haben wir ca. 21/2 Stunden benötigt.

Alberobello ist gut ausgeschildert und auch im Ort selbst wirst du via Schilder zu den Besucherparkplätzen geleitet, die du unbedingt nutzen solltest.

– Parkgebühr: ca. 2 Euro pro Stunde

Der Weg, um die Trulli zu besichtigen, ist von jedem Parkplatz aus sehr gut ausgeschildert. Du kannst ihn nicht verfehlen. Der Hauptteil des Ortes heißt Rione Monti. Hier findest du die meisten Trulli – gut erhalten und gepflegt werden sie heute nur noch selten bewohnt. In diesem Bereich der Stadt der Trulli befinden sich vor allem Souvenirläden, Cafés und Restaurants. Links und rechts der engen Gassen gibt es in den Trulli – neben unnützem Allerlei – bisweilen auch sehr schöne Erinnerungsstücke zu kaufen.

Manches Trullo wurde auch zu einem B&B umgebaut – falls du ein oder zwei Nächte in der Stadt verbringen magst, ist das sicher eine außergewöhnliche Idee.

Trulli mit Kateen
Trulli mit Kaktus

Highlights von Alberobello

Gegenüber von Rione Monti gibt es einen weiteren, weniger überlaufenen Teil von Alberobello. Hier findest du Panoramaterrassen, von denen aus sich der Blick über die grauen Kegeldächer sehr lohnt.

Zwei der Highlights von Alberobello sind:

– die Trullo-Kirche Sant‘ Antonio di Padova, die in Form eines griechischen Kreuzes erbaut wurde und mit einer 21m hohen Kuppel und einem 18m hohen Glockenturm ausgestattet ist

– der Trullo Sovrani, welches im 18 Jahrhundert erbaut wurde, und das einzige Trullo mit zwei Etagen ist, welches jetzt als historisches Museum fungiert

Eintritt Trullo Sovrani: 2,50 Euro

Trullidächer in Alberobello

Was es mit den Trulli auf sich hat

Das ist ganz einfach und war schlichtweg eine gute Idee: Im 17 Jahrhundert gab es im Königreich Neapel – dem auch Apulien angehörte – die Bestimmung, dass es verboten war, ohne Erlaubnis neue Ortschaften zu gründen. Dafür musste man eine Stange Geld hinlegen.
Um das zu umgehen, verpflichtete der damalige Feudalherr dieser Gegend, Giangirolamo II. Acquaviva, Graf von Conversano, seine neuen Siedler, diese Form und Bauweise der Trulli anzuwenden, da sie leicht auf- und abzubauen waren. Kam eine kaiserliche Kontrollkommission, wurden die Dächer schnell entfernt. Somit wurde die Siedlung, die nun nur noch aus halben Wänden bestand, nicht mehr Siedlung genannt. Und die kaiserliche Kommission musste wieder abziehen – ohne Steuereinnahmen. Und weil das stets so gut klappte, blieb man bei dieser Bauweise in der Gegend.

Alaa in Alberobello

Alberobello: Sehenswert oder nicht?

Alberobello ist sehenswert – ohne Frage. Aber wenn du anreist, sollte dir bewusst sein, dass der ganze Ort sehr touristisch vermarktet wird. Überall sind Touristen unterwegs, Touristengruppen, die Guides mit Fähnchen oder Schirm folgen. Alberobello ist voller Leute, die nur zum Gucken kommen für ein paar Stunden – und darauf wurde reagiert. Die niedlichen Gassen sind nett zum Anschauen, aber letztendlich voller Souvenirläden. Alles in allem ein wenig überladen und zu touristisch vermarktet.

Hauseingang in Polignano a Mare
Haus in Polignano a Mare

Polignano a Mare

Von Alberobello aus setzten wir unsere Fahrt (30 min/29 km) fort nach Polignano a Mare – mit seinem wohl einzigartigen Strand. Letzteres ist wahr, wenn wir für diesen auch zum falschen oder – wie man es persönlich sieht – richtigen Zeitpunkt kamen.

Wir wollten durch die Gassen bummeln, irgendwo eine Pizza oder Lunch essen, an den berühmten Strand gehen und möglicherweise in das glasklare und sehr blaue Meereswasser tauchen. Als wir ankamen, war etwas im Gange. Die Stadtmitte war gesperrt und wimmelte von Leuten.

– Parkplatz: Suche war via Google Maps relativ einfach und auch kostengünstig für ca. 2 Euro die Stunde.

Wir starteten unseren Bummel durch Polignano a Mare, auch genannt die Perle der Adria. Ca. 33k km südlich von Bari wurde sie direkt am Meer erbaut und schmiegt sich wie ein Adlerhorst an die Kalksteinklippen dieser Küste. Polignano a Mare hat ungefähr 17.861 Einwohner.

Zuerst spazierten wir durch die Stadt, eine typische kleiner Altstadt mit weißbeigen Häusen, Blumen und Palmen und Kakteen überall, Cafés zum Sitzen und Genießen, und zwischendurch gelingt einem immer wieder der Blick die Klippen hinunter aufs Meer.

Doch woher und warum die vielen Leute? Die Polizei? Krankenwagen? Sperrung?

Polignano a Mare und Strand

Cliff Diving in Polignano a Mare

Wir erreichten die Cala Porto, eine römische Brücke, die die Stadt verbindet, die sich auf zwei gegenüberstehenden Klippen befindet. Und dann entdeckten wir das warum.

Von der Brücke aus erhältst du einen direkten Blick auf den sehenswertesten Strand Apuliens – gelegen zwischen eben diesen zwei Klippen endet der Strand aus hellen Kieselsteinen am azurblauen Meer.

Als wir Poligano a Mare besuchten, fanden die Klippenspringerweltmeisterschaften 2021 ( Red Bull Cliff Diving) statt.

Und das war tatsächlich sehenswert. 27m geht es für die Klippenspringer und Klippenspringerinnen knapp neben den Felsen in die Tiefe. Faszinierend und beängstigend zugleich, aus welcher Höhe die Springer kraftvoll ins Wasser stürzen.

Von eben jenem fantastischen Strand aus – der an diesem Tag zum Schwimmen gesperrt war – beobachteten wir einige der Springerinnen und Springer, die sich, bevor sie ins Wasser tauchten, mehrmals kunstvoll drehten. Ein unerwartetes und begeisterndes Erlebnis inmitten einer wunderschönen, kleinen italienischen Stadt.

Da diese Weltmeisterschaft zwar jedes Jahr stattfindet, aber vielleicht nicht, wenn du dorthin reist, gibt es noch die Möglichkeit, mit einem Boot die Höhlen in den Felsen vor Polignano a Mare zu besichtigen.

– Kosten: ungefähr 30 Euro pro Person

Und wer dann noch nicht genug gesehen hat, findet mitten im Ort die Statue des berühmten Sängers Domenico Modugno. Sein bekanntester Song „Volare oooh, cantare ooohhh“ kennt wahrscheinlich mittlerweile schon jeder.

Grotta della Poesia

Grotta della Poesia

Der Name allein reicht aus, um die Sehenswürdigkeit entdecken zu wollen. Wir finden, den Name muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – Grotta della Poesia.

Wie der Name schon sagt, ist es eine Grotte, die wir als nächstes besuchten. Über Jahrhunderte leckte das Meer an den Steinklippen und formte eine Höhle unterhalb der Felswände 30 m vom Meer entfernt.

Eintrittspreis: 9 Euro

– Öffnungszeit: 9:00 – 19:00 Uhr

Du wanderst dicht an den Klippen entlang über felsiges Gebiet, bis du inmitten des Felsens ein Loch erreichst: Grotta della Poesia.

Von oben kannst du hinabschauen, und möglicherweise auch baden. Es gibt Fotos, auf denen Leute von den Klippen in die Grotte springen und schwimmen. Bei uns schien zwar die Sonne, aber es wehte ein recht kühler und starker Wind. So dass von uns und auch sonst niemand hätte baden wollen.

Die Grotta della Poesia ist sehenswert, obwohl wir für einen Eintrittspreise etwas größeres, immenseres erwartet hätten. Aber es machte Spaß an den tiefen hinabreichenden Klippen zu spazieren, während die Wellen sich lautstark an den Felswänden brachen.

Neben der Grotte – auf demselben Areal und ohne weiteren Eintritt zu bezahlen – kannst du die Ruinen eines alten Wachturms und Herrenhauses aus dem 16 Jahrhundert anschauen – sowie die Wallfahrtskirche Madonna di Roca besuchen.

Klippen Sant'Andrea Apulien

Torre Saint’Andrea

Für uns gab es an diesem Abend noch eine Sehenswürdigkeit inmitten dieser wunderschönen Landschaft Apuliens. Für fuhren weitere 7 min und 4,7 km gen Süden und erreichten Torre Saint Andrea.

Torre Saint Andrea sind ebenfalls Klippen, die man über in den Felsen gehauene Treppen besichtigen kann, um von unten Torre Saint’ Andrea zu bestaunen. Ein vom Meer und den Wellen gemachtes Tor inmitten eines Felsen, der im Wasser steht.

Die Sonne begann unterzugehen, die Klippen glühten im orangefarbenen Licht und noch immer wehte ein starker Wind, so dass sich dicht neben uns hohe Wellen mit weißer Gicht am Felsen brachen.
Das war ein herrliches Naturschauspiel.

Alaa an den Klippen Sant' Andrea
Gallipolli Apulien

Gallipolli

Ein weiteres Ziel auf unserem Roadtrip durch Apulien war: Gallipolli.

Gallipolli ist eine der ältesten Städte in dieser Gegend, sie hat 20.000 Einwohner und liegt auf der Halbinsel Salent. Ein wirklich wunderschöner Ort mit einer gemütliche Altstadt aus weißen bis gelblichen Häusern, engen Gassen, vielen Cafés und Restaurants, und einem Hafen, in dem du Fischern beim Angeln zusehen kannst.

Häuser in Gallipolli

Die Altstadt gleicht einer Festung, die weit ins Meer hineinreicht.

Du kannst diese Insel über eine Brücke erreichen, von der aus du die Festung mit ihren Türmen, Basteien und Mauern wunderbar sehen kannst. Wenn du magst, kannst du die Festung aus dem 13 Jahrhundert besteigen und einen herrlichen Blick über die Stadt und die Umgebung genießen.

In der Altstadt findest du auch die erwähnenswerte Kathedrale „Basilica concattedrale di Sant`Agata“ aus dem 17. Jahrhundert.

Straße in Gallipolli

Im neueren Bezirk von Gallipolli findest du eine große Hauptstraße, an der sich unzählige Modegeschäfte, Banken, Gemüse- und Obstläden, Cafés und Restaurant reihen.

Hier auf einer Bank zu sitzen und ein Eis zu schlecken und dem bunten Treiben zu zusehen, macht gerade in den Abendstunden, wenn die Türen der Häuser sich öffnen und Gallipolli zum Leben erweckt, viel Spaß.

Festung von Gallipolli
Alaa am Kap Punta Ristola

Punta Ristola

Das ist ein Kap an der südlichsten Absatzspitze des italienischen Stiefels. Und das Besondere an diesem Ort ist: Hier treffen sich das Ionische Meer und das Adriatische Meer und fließen ineinander.
Das kann man so nicht sehen, aber du kannst auf den Klippen gut spazieren, und wenn du mutig bist, bis zum äußersten Zipfel vordringen. Dann ist da nicht mehr außer du und das weite Meer.
Ein wunderschönes Naturschauspiel.

Punta Ristola Kap
Punta Ristola Grotte

Restauranttipp

Zu guter Letzt ein Restauranttipp von uns:

In der Tratorria Saint’Elia, Strada Provinciale Patú in Patú haben wir in gemütlicher und romantischer Ambiente ein superleckeres Dinner genossen.

Vorspeise Apulien
Tintenfisch Apulien
Rindersteak Apulien
Schokoladenkuchen Apulien

Doch nicht immer ist es Gold, was glänzt …

Obwohl Apulien traumhaft schön ist, gibt es doch zwei Punkte, die wir nicht verhehlen wollen. Zwei Punkte, die uns traurig machen und erschrecken.

Puglia, vor allem südlich, ist einem Olivenbaumsterben ausgeliefert. Kilometerlange Felder und darauf hunderttausende Olivenbäume sterben an dem Bakterium Xylella fastidiosa. Es bricht einem das Herz, die Felder voller toter, uralter Olivenbäume zu sehen, Felder, auf den die abgeholzten und verbrannten (eine der wenigen Möglichkeit, die Ansteckung zu stoppen) Baumstümpfe stehen. Übertragen wird das Bakterium von einer pflanzensaftsaugenden Zikade, die von Baum zu Baum flattert. Die Bäume trocknen von Innen heraus aus und sterben ab.

Müll. Tatsächlich haben wir noch nie so viel Müll gesehen. Überall, am Straßenrand, am Feldrand … einfach überall. Das Müllproblem beginnt südlich von Rom, ab da wird es mehr und mehr. Ganze Halden von Müll lagern einfach in der Landschaft: Plastikspielzeug, Kühlschränke, Geschirr, Müll aus Autowerkstätten, Ölbehälter, alte Maschinen und so unglaublich viel mehr. Wir kennen das Müllabfuhrsystem in Italien nicht, aber für diese Müllberge gibt es für uns weder eine Erklärung noch eine Entschuldigung. Kein Warum. Es ist schlichtweg Umweltverschmutzung in seiner hässlichsten Form.

Natürlich kann man über diese zwei Punkte nicht die Augen schließen. Aber der erste Punkt trifft die Bauern dieser Gegend hart, niemand kann etwas dafür und es sind enorme Kosten, die hier verloren gehen. Und der zweite Punkt ist tatsächlich diskutierbar.

Olivenbäume in Apulien

On the road: Apulien

Apulien ist wunderschön. Es ist tatsächlich so wie wir es erwartet haben: unendliche Weite, Felder, Olivenbäume, Kakteenfeigen, azurblaues Meer, weiße Häuser – soweit das Auge reicht. Nette Leute, gutes Essen, Sehenswürdigkeiten, die faszinierend sind. Landschaften, die begeistern. Und noch vieles mehr.

Es war eine wunderbare Reise, eine langsame Reise, die wir sehr genossen haben.

Apulien hat uns gefallen. Und wir haben längst nicht alles gesehen. Das heißt, wir kehren zurück und schauen uns all die Orte an – Bari, Monopoli, Lecce oder das Castel del Monte oder den Parco Nationale del Gargano mit seinen Wäldern – die wir in den kurzen zwei Wochen nicht untergebracht haben.

Apulien ist traumhaft schön und eine ganz große Empfehlung.

Ausblick auf Ionisches Meer und Adria

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Ostuni – die weiße Stadt

Ostuni – die weiße Stadt

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Du hast Apulien bereits bereist? Und dir hat es gefallen? Oder du magst weitere Tipps? Dann schreib uns in den Kommentaren.

Ostuni – die weiße Stadt

Ostuni – die weiße Stadt

Ostuni Apulien Alkamals

Ostuni – Die weiße Stadt

Ostuni, die weiße Stadt, ist – egal aus welcher Richtung du kommst – schon von weitem auf der Anhöhe zu sehen. Stolz und im Sonnenlicht strahlend steht sie auf einem Hügel 223 Meter über dem Meeresspiegel. Von weitem wirkt sie wie die weiße Stadt aus dem Film „Herr der Ringe“ und mit viel Fantasie kannst du sehen, wie König Aragon mit wehendem Umhang zu seinem Palast schreitet.

Allein die Fahrt nach Ostuni ist landschaftlich sehr, sehr schön. Der Hügel mit der weißen Stadt, die über allem thront, ist bereits zu sehen, wenn du im flachen Land an unendlich wirkenden Hainen voller Olivenbäumen – alt und knorrig – vorbeifährst. Einzelne Höfe, die zum Olivenöltest einladen. Dazwischen ein paar Felder mit Wein, an denen die Weintrauben im Spätsommer tiefblau und saftig hängen.

Die Luft ist heiß, die Straße flirrt. Zikaden singen im Gras und Eidechsen laufen über das erhitzte Pflaster. Vom Meer aus weht eine warme Prise über das Land.

Ostuni ist faszinierend und prächtig.

Wir besuchten Ostuni an einem sehr warmen Vormittag. Nur ein paar weiße, fluffige Wolken zogen am tiefblauen Himmel über die Ebene unterhalb Ostunis. Für uns ging es zuerst immer bergauf, den Hügel und die Straße, danach Treppen und zum Schluss auf dem Fußweg, bis wir die Piazza della Liberta erreichten – dem Mittelpunkt zwischen der Altstadt und der Neustadt.
Wir erwischten in Ostuni eine gute Zeit. Die Stadt war nicht überlaufen, obwohl es mehr als eine Handvoll Touristen gab. Immer wieder gelangten wir an Ecken und Gassen, in denen wir vollkommen alleine unterwegs und die herrliche Stadt genießen konnten.

Hauseingang in Ostuni

Rundgang durch Ostuni

Als erstes natürlich einen Spaziergang durch die wunderschöne Altstadt. Wir starteten unseren Rundgang auf der Piazza della Liberta, um zuerst die Neustadt zu erkunden – hier findest du einen hübschen Park voller skurriler Bäume und Palmen und Bänke zum Entspannen, vorbei an Tante-Emma-Läden mit prall gefüllten Obstkörben vor der Tür, Bekleidungsgeschäften, in denen es herrlich luftige Sommerkleider zu erstehen gab, und an Schmuck- und Kunstläden, die Lohnenswertes anboten.

Zurück zur Piazza della Liberta genossen wir einen Iced Coffee in einem der gemütlichen Cafés, bevor wir den Rundgang durch die Altstadt fortsetzten.
Das besondere an Ostuni ist die Farbe: Ostuni ist weiß. Tatsächlich ganz und gar weiß. Weiß gekalkte Häuser soweit die Straßen und Eingänge der Häuser reichen. In früheren Zeiten wurden die Wände wegen des Sonnenlichts und der Pest gekalkt, heute werden sie gekalkt, damit es ein einheitliches Gesamtbild ergibt.

Die Stadt ist prächtig in seiner weißen Farbe, dem blanken, bisweilen rutschigem Steinboden, den engen Gassen und der rosa und lila emporrankenden Bougainvillea. Palmen und Kakteen gedeihen im Schatten der Hauswände, neben Haustüren, die in verschiedenen Blautönen gestrichen sind.

Ob innerhalb der Stadt oder außerhalb an der Stadtmauer entlang mit Blick auf das Meer in der Ferne, überall findest du weiße Häuser, strahlen weiß im Sonnenlicht.

Dein Weg führt dich vorbei an kleineren Shops, in denen Olivenöle aus der Gegend, Cremes und Bodylotion aus Oliven oder Nudeln mit Olivensoßen verkauft werden. Auch hier gibt es überall luftige Sommerkleider, Hüte und Schmuck und bunt bemalte Teller für einen sommerlich gedeckten Tisch zu erstehen. Die Vielfalt ist groß und die Verlockung dazu.

Blumenstraße in Ostuni
Seitenstraße in Ostuni

Die Kathedrale & die Arco Scoppa

Die Kathedrale ist eine römisch-katholische Kathedrale bzw. Concattedrale erbaut 1435 – 1495 inmitten von Ostuni.

Wohl wahr: Es gibt größere, imposantere Kathedralen, doch diese hier schmiegt sich perfekt in das Gewirr der Gassen. Im Inneren gibt es eine prachtvolle Decke und hohe Säulen, die sie stützen. Direkt vor der Kathedrale findest du die Arco Scoppa, eine Brücke zwischen dem Bischofspalast und dem Palazzo del Seminario.

Und auch – nicht weit entfernt – überzeugt die Chiesa di San Vito aus dem 18 Jahrhundert mit ihrer bunten Kuppel.

Kirchentor in Ostuni

Ausblick aufs Umland

Eines der Highlights dieser wunderschönen Stadt:

Von der Stadtmauer aus herhältst du einen atemberaubende Blick über das Land, über die dunkelgrünen die Olivenhaine gepflanzt inmitten rostroter Erde (Was für ein Kontrast!) und bis hin zum Meer, das azurblau am Horizont schimmert.

Aussicht von Ostuni aufs Meer

Museo Civiltà Preclassica della Murgia Meridionale

Das Museum gibt Einblick in die präantike Zeit des Mittelmeerraumes. Wir haben es ausgelassen, da wir mit Hund unterwegs waren, aber es soll einen Besuch wert sein.

– Öffnungszeit: Wochentags 10:00-18:00, Sa & So 10:00-19:00

– Ticket: 5 Euro

Piazza della Liberta mit der Oronzo-Säule

Die Piazza della Liberta ist der Platz, der die Altstadt mit der Neustadt verbindet. Es ist der größte Platz vor Ort und voller Café und Restaurants, die Tische und Stühle draußen platziert haben.

Von hier aus kannst du dem bunten Treiben auf der Piazza della Liberta bei einem leckeren Espresso zuschauen, dabei die Statue des Heiligen Oronzos – der Patron der Stadt – bewundern und das Rathaus, das aus einem ehemaligen Kloster entstanden ist.

Es macht Spaß, eine Weile hier zu sitzen, im Schatten eines Sonnenschirmes und den Leuten in ihrem Alltag zu zusehen.

Geführte Tour durch Ostuni

Manch einer mag gerne eine geführte Tour durch den jeweiligen Urlaubsort oder die Stadt, die er gerade besucht, unternehmen. So ist für Ostuni auch ein Stadtrundgang möglich.

Wir haben gute Erfahrung gemacht mit GetYourGuide – gerade in Städten wie Rom, Paris oder Florenz ist gut möglich, dass du für Sehenswürdigkeiten bis zu zwei/drei Stunden in einer Warteschlange stehst. Mit den von uns online bestellten Tickets sind wir stets rasch in die Sehenswürdigkeit gekommen, und in Rom haben wir zudem eine Führung ausprobiert, die unterhaltsam, interessant und bisweilen recht humorvoll war.

Vespa in Ostuni

Mercato Settimanale del Sabato

Der lokale Wochenmarkt findet immer Samstag statt und es ist eine Empfehlung. Überhaupt sind Märkte in Italien etwas ganz Besonderes und du solltest unbedingt dort einmal einkaufen gehen. Es gibt für wenig Geld alles Mögliche: frischer Fisch, Obst und Gemüse aller Sorten vor allem Weintrauben, Limonen, Auberginen, Tomaten, es gibt selbstgemachten Honig und Marmelade und Wurst. Ebenso Kleidung, Haushaltsgegenstände und Möbel.

Strände von Ostuni

Die Strände, und die sind tatsächlich traumhaft schön, sind nur 8 km entfernt von Ostuni. Das adriatische Meer ist hier besonders sauber und blau. Herrlich blau.

• Lido Morelli – feiner weißer Sand, beliebt, aber nicht überfüllt
• Spaggia di Pilone – ebenfalls weißer, feiner Sand und sauberes Meer
• Costa Merlata – Sandstrand, azurblaues Meer

Jedoch ist es nicht ganz einfach, einen Hundestrand in Italien zu finden. Oftmals muss man sich durchfragen und die Hundestrände sind nicht die besten.

Ape-Fahrt

Die Fahrt in einem Ape mag so manchem Tourist gut gefallen. Wir haben es – wegen des Hundes – ausgelassen und die Stadt zu Fuß erkundet.

Aber für diejenigen, die weniger Zeit haben oder nicht so gut zu Fuß sind, empfehlen wir die Fahrt mit dem elektrobetriebenen Tuk-tuk. Der Fahrer stoppt für Fotos an den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Kosten: 30 min Fahrt – ca. 20 Euro

Ape in Ostuni

Was du noch über Ostuni wissen solltest

– Essen & Trinken: Überall findest du kleine und große, gemütliche und wunderschön dekorierte Restaurants und Cafés. An jeder Ecke gibt es Platz und aus jeder Ecke duftet es herrlich. Wir haben inmitten der Stadt, in einer winzigen Gasse, eine Pizza genossen. Und auf der Piazza della Liberta in einem der Cafés einen Iced Espresso getrunken. Sehr, sehr lecker.

Anfahrt: Bist du mit dem Auto unterwegs nach Ostuni, kommst du entweder aus der Richtung Fasano auf der SS16 oder aus der Richtung Brindisi ebenfalls die SS16. Du kannst Ostuni – egal woher du kommst – nicht verfehlen. Ostuni siehst du von weitem.

– Parken: Parkmöglichkeiten sind vorhanden und auch gut ausgeschildert. Du musst nur darauf achten, dass innerhalb der Altstadt Einbahnstraßensystem herrscht und manche Gassen sehr, sehr eng erscheinen.

– Reisezeit: Beste Reisezeit für Ostuni ist von Mai bis Oktober. Bereits im Mai blüht es überall in den herrlichsten Farben. Angenehme Wärme findest du von April bis November. Sehr heiß wird es im Juli/August, kalt und weniger schön in den Monaten Dezember bis Februar.

– Schlafen & Träumen: Es gibt unzählige Unterkünfte in Ostuni. Du findest hier alles von: Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätzen, B&Bs bis hin zu Farmhäuser, * die das hiesige Leben bieten.

Häuser in Ostuni

Ostuni – du hast uns gefallen

Ostuni ist nicht nur eine Empfehlung, nicht nur ein: Wenn du mal vorbeikommst, dann guck mal hin.

Nein, Ostuni ist ein Muss für jeden Italienreisenden, für jeden der das Besondere mag, und das urtümliche. Denn auch das findest du hier in Ostuni.

Nicht nur weiß gekalkte Wände, auch die bunte Wäsche, die aus den Fenstern hängt, die rote Vespa, die neben einer blau gestrichenen Tür parkt, Gardinen, die am offenen Fenster wehen, Radiomusik, die aus den Häusern klingt, der Duft nach einer frischen Pizza direkt aus dem Ofen, und Katzen, die im Schatten dösen und erst zur Dämmerung aktiv werden.

Ostuni ist nicht nur eine Empfehlung, es ist ein Muss. Diese grandiose Stadt musst du gesehen haben. Und wenn es dir möglich ist, dann nimmt dir ein paar Tage Zeit, wandere am frühen Morgen, wenn alles erwacht, und am Abend durch die Stadt, wenn das Leben erneut beginnt nach einer langen, langen Mittagspause. Spaziere durch die engen Gassen und du wirst so viel Neues entdecken. Willst du noch mehr erleben, steig in den Bus und fahre die wenigen Kilometer bis zum Meer, um einmal einzutauchen in das Azurblau.

Für uns war die Zeit zu kurz in Ostuni. Und das ist ein Grund zurückzukehren, wiederzukommen und länger zu verweilen … in Ostuni, der weißen Stadt.

weiße Stadt Ostuni

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